Ein Wohnmobil als Zeitmaschine — Ein fast Hundertjähriger als Kapitän.
Arno Watteck flüchtete als 18-Jähriger durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges, um die Heimat zu erreichen. 80 Jahre später wiederholen wir mit ihm dieselbe Route von Südpolen, durch Tschechien bis nach Salzburg. Fünf Tage lang reisen wir, samt Familienmitglieder, Arzt und Pflegerin mittels einem geliehenen Wohnmobil (als mobile Ruhemöglichkeit und Toilette) durch Tschechiens Pampa, um die Schauplätze von Arnos Kriegsgeschichten zu besuchen.
Uns erwarten nicht nur spektakuläre und tragische Geschichten, sondern auch intime, kleine Momente voller Hoffnung. Arno ist ein unglaublich authentischer Erzähler, der es versteht, sein Publikum zu fesseln, aber auch tief zu berühren. Die Doku lebt von diesem Mix aus Spannung/Tragik und Humor/Hoffnung.
Schon im Vorfeld der Dreharbeiten fragte ich Arno, ob er sich denn keine Sorgen wegen der bevorstehenden Reise machen würde. Er antwortete ganz bestimmt: “Nein. Das lenkt eh ein anderer.” Als tief religiöser Mensch meint er natürlich den da oben. Und tatsächlich … je länger wir gemeinsam unterwegs sind, desto mehr verbreitet sich im Team die Auffassung, dass wir womöglich wirklich von mehr geführt werden, als nur von Google Maps. Die Straße, auf der wir unterwegs sind, macht uns die eigenartigsten Geschenke, die der beste Produktionsleiter nicht besser hätte einfädeln können. Plötzlich ist da ein mysteriöses Kriegsmuseum, direkt neben unserem Hotel, in dem wir ohne Einschränkungen spontan drehen dürfen und das zu einer Schlüsselszene des Films werden wird. Plötzlich ist da ein mysteriöses Straßenstück, das als einziges Relikt weit und breit vom Rückzug der Deutschen Wehrmacht erzählt und ebenso eine Schlüsselszene des Films werden wird. Plötzlich ist da eine tschechische Gitarrengruppe, die sich wie aus dem Nichts in unseren Drehplan schleicht und uns mit origineller Musik überrascht, die — wie kann es anders sein — zum Soundtrack DER Schlüsselszene schlechthin werden wird, nämlich zur erlösenden Musik für das Ende des Films.
Dieses Projekt — von der Finanzierung bis hin zum Dreh — ist eine einzige Reise ins Ungewisse. Und obwohl ich das als Filmemacher nicht zum ersten Mal erlebe, erlebe ich es zum ersten Mal mit einer inneren Ruhe und Gelassenheit. Es bereitet mir, trotz aller unbekannten Gefahren, die auf uns lauern, eine große Freude. Arnos Zuversicht färbt ganz offensichtlich ab. Wir haben uns auf einen Roadtrip begeben und ein Roadtrip ist nun einmal eine Fahrt ins Ungewisse. Man kennt nur das Ziel, was aber zwischen Abfahrt und Ankunft passiert, weiß man vorher nicht. Und dass dieser ausgefallene Roadtrip so gelungen und filmisch geglückt ist, haben wir dann wohl vielleicht doch … keine Ahnung, aber … vielleicht doch jemand anderem zu verdanken …
An dieser Stelle also: Danke an Euch da oben, oder danke an die Götter der Straße und Schutzpatrone der Reisenden, oder vielleicht auch: Danke an die Filmgötter, ihr, die ihr wacht über uns Soldaten des Kinos und unsere Kameras führt, damit das Licht, das wir damit einfangen, voller Spiel und Geheimnis sein möge und unsere Filme nicht nur Filme sind, sondern kleine Fenster in eine bessere Welt.
- Dreharbeiten “Roadtrip an die Front”, Doku, 90 Min, Regie und Drehbuch: Simon Tasek -




